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  • Was bewegt unsere Kundin, die Stiftung Sozialwerk Pfarrer Sieber, aktuell?
Artikel:

Was bewegt unsere Kundin, die Stiftung Sozialwerk Pfarrer Sieber, aktuell?

30. Mai 2022

Marco Beffa, Wirtschaftsprüfung |

4 min

 

 

 

Interviewpartner: 
Herr Volker Karbach
Leiter Finanzen und Dienste, Stv. Gesamtleiter
Stiftung Sozialwerk Pfarrer Sieber
www.swsieber.ch

 

 

Wie ist das Sozialwerk Pfarrer Sieber organisiert? Was sind die primären Leitgedanken?

Das SWS ist eine Stiftung, die von Pfarrer Ernst Sieber im Jahr 1988 gegründet wurde. Wir schaffen Einrichtungen und führen Projekte, die es Randständigen ermöglichen, menschenwürdig zu leben und sich selbst als vollwertige Partner und Glieder unserer Gesellschaft zu erfahren. In unseren niederschwelligen Angeboten bieten wir Hilfe bei Obdachlosigkeit, Drogenabhängigkeit sowie sonstigen gesundheitlichen und sozialen Problemen für gesellschaftlich benachteiligte Personen an. Hierzu betreiben wir mit unseren 190 Mitarbeitenden und 350 Freiwilligen in Zürich und Umgebung mehrere Einrichtungen im Gesundheitswesen und im Wohnbereich. Ohne den Einsatz von Freiwillen wären insbesondere die Angebote der Notschlafstellen Pfuusbus (Bild) und Iglu nicht denkbar.
 

 

Welche Werte verfolgt das Sozialwerk?

Im Zentrum unseres Handelns steht die Würde des Menschen. In diesem Sinne setzen wir uns auf der Basis des Evangeliums für notleidende Mitmenschen ein. Liebe und Annahme von Menschen jeglicher Couleur sind unser oberstes Gebot.

 

Welche Herausforderungen stellen sich Ihnen in Ihrer täglichen Arbeit?

Wir stellen immer wieder fest, dass die Menschen, denen wir in unserer Arbeit begegnen, jegliches Vertrauen in sich selbst und in die Gesellschaft verloren haben. Ihnen fehlt es nicht nur an Materiellem. Seelische und medizinische Probleme sind oftmals gewichtiger. Beziehungsarbeit ist denn auch der Kern unserer Arbeit mit Betroffenen und der Schlüssel für Fortschritte.

 

Hatte die Pandemie direkte Auswirkungen auf das Sozialwerk und die Menschen in Notsituationen? Wurde Ihre Arbeit dadurch erschwert?

Die Pandemie hat unsere Leute, die sonst am Rande der Gesellschaft leben, in eine merkwürdige Situation geführt. Im ersten Lockdown standen Randständige, wenn sie in der vormals pulsierenden Innenstadt unterwegs waren, plötzlich alleine da. Die bundesrätliche Aufforderung «Bleiben Sie zu Hause!» war für Menschen ohne Obdach eine Paradoxie.

Wir mussten unsere Einrichtungen innert kürzester Zeit mit Schutzkonzepten versehen, um Menschen mit ihren Ängsten und Nöten nach wie vor eine verlässliche Anlaufstelle anbieten zu können (im Bild die Essensausgabe im Pfuusbus). Gewisse Einrichtungen wie den Pfuusbus mussten wir aufgrund der Platzverhältnisse komplett neu erfinden und z.B. um ein Isolations-Containerdorf erweitern. Dank der grossen Solidarität weiter Teile der Bevölkerung konnten wir die teils kostspieligen Anpassungen in unseren Einrichtungen rasch realisieren und somit für Menschen in Not verlässliche Partner bleiben.

 

Der Neubau auf dem Glaubten-Areal (Pfarrer-Sieber-Huus) ist in Planung und wird die aktuell dezentralen Standorte an einem Ort vereinen. Welche Problemstellungen wird der Neubau inskünftig lösen und verbessern?

Im Neubau in Zürich-Affoltern (Bild) werden unser Fachspital Sune-Egge (aktuell an der Konradstrasse beim Hauptbahnhof Zürich), unsere Langzeitpflegestation Sunegarte (Egg ZH), unsere Notwohnsiedlung Brothuuse (Zürich-Affoltern) und unsere Administration (Nähe Hardplatz) zusammenfinden. Insbesondere die Zusammenführung des Fachspitals und der Langzeitpflegestation wird die sozial-medizinische Versorgung deutlich vereinfachen und Synergien z.B. im Bereich Hauswirtschaft ermöglichen. Die Mitarbeitenden und Patienten werden ferner eine deutlich verbesserte Gebäude-Infrastruktur vorfinden, was sich wiederum positiv auf die Pflege und Betreuung auswirken wird. 
 

 

Wo stehen Sie in Bezug auf den Neubau und welche Stolpersteine sind noch zu überwinden?

Der Bau kommt plangemäss voran. Aktuell sind die Fundament- und Kellerarbeiten im Gange (Bild). Ab Frühsommer werden die Mauern von Gebäudehülle und Innenbereichen hochgezogen. Verläuft alles wie vorgesehen, sollten wir das Pfarrer-Sieber-Huus im Frühjahr 2024 beziehen können.

Neben den baulichen Herausforderungen wird das Zwischenmenschliche in den nächsten zwei Jahren eine wichtige Rolle spielen, denn mit der Zusammenführung der historisch unterschiedlich gewachsenen Betriebe treffen auch unterschiedliche Unternehmenskulturen aufeinander. Damit der Umzug gelingt, sind wir jetzt schon daran, Mitarbeitende und Klienten auf diese neue, gemeinsame Art des Zusammenlebens einzustimmen.

Wichtig ist, dass wir mit unseren gassennahen Angeboten wie der aufsuchenden Gassenarbeit, dem Gassencafé Sunestube, dem Gassentierarzt usw. weiterhin im Stadtzentrum von Zürich, dem Lebensmittelpunkt vieler unserer Betreuten, verbleiben.
 

 

 

Immer wieder ein heikles Thema ist der vertrauensvolle Umgang mit Spendengeldern, weshalb auch im Bereich der gemeinnützigen Arbeit eine externe Rechnungsprüfung erfolgen muss. Die Stiftung hat sich für BDO als Revisionsstelle entschieden. Was schätzen Sie an der Zusammenarbeit mit BDO - inwiefern können die Prüferinnen und Prüfer von BDO Ihnen Mehrwert bieten?

Von grossem Wert für uns ist, dass wir mit BDO nicht nur eine Revisionsgesellschaft, sondern eine Partnerin haben, die ein gutes Verständnis für unsere Arbeit hat. Einerseits ist es uns als spendenfinanzierte Organisation sehr wichtig, den zweckbezogenen Umgang mit Spendengeldern transparant und vertrauensvoll aufzeigen. Gleichzeitig haben wir aufgrund des breiten Angebots von Spitalwesen über Langzeitpflege bis hin zu Wohneinrichtungen mit Heimcharakter eine Offenlegungs-Verpflichtung auch gegenüber der öffentlichen Hand. BDO kann uns diese Expertise zu einem guten Preis-Leistungs-Verhältnis bieten und verfügt zudem über ein gutes internes Netzwerk, um bei Spezialfragen auf zusätzliche Experten zurückgreifen zu können. Insgesamt ist BDO für uns eine Partnerin, mit der man Fragen offen und ehrlich besprechen kann und bei der wir auch ein echtes Interesse für unsere Arbeit spüren. Denn schliesslich geht es nicht pimär um Zahlen, sondern um Menschen.

 

Was wünschen Sie sich für die Zukunft für das Sozialwerk und die Menschen in Notsituationen?

Unser Wunsch und Ziel ist natürlich, dass nicht mehr Menschen an den Rand der Gesellschaft und damit der Existenz gedrängt werden. Wir tun jedenfalls alles dafür, dass wir als Stiftung gerade in der gegenwärtigen, von grossen Umwälzungen geprägten Situation für die Menschen in Not verlässliche Partner bleiben.

 

 

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